My African Dream - My African Horror

Mulholland Drive

...

3/25/20262 min read

„I am sorry, Sir. Okay, no problem. No problem. Let me check. Wait. I check”, erhielt ich als Antwort auf meinen nun geäußerten Wunsch, doch auf den in zwei Tagen angesetzten Flug, unter den gleichen Bedingungen, umgebucht zu werden.

Mein ägyptischer Freund verschwand hinter seiner Trennwand.

Bürosesselrollen, Tastaturgeklimper. Verstreichende Zeit.

Ich stand nun mutterseelenallein am Tresen und wartete, und wartete und wartete.

Tastaturgeklimper.

Ein Telefonat. In arabischer Sprache. Ich verstand nicht, ob es sich um meine Angelegenheit handelte oder ein Privatgespräch war. Es dauerte recht lange, klang zu Zeiten recht aufgebracht, doch wer so manch arabische Gepflogenheiten miterlebt hat, der weiß, dass ein solches Aufbrausen mitunter nichts zu bedeuten hat.

Dann wieder Tastaturgeklimper.

Und so langsam brach mit diesem Geklimper in mir eine Scheibe Glas der Geduld. Nach einer beinah halben Stunde rief ich in seine Box hinein, er möge mir doch bitte sagen, was das Problem sei?!

„I am sorry, Sir, let me check. Wait. I check, I am sorry, Sir”.

Dieses “Sir” setzte in mir wieder die Kaskade in Gang, ihm doch versichern zu wollen, dass ich menschlich mit ihm auf Du bin und alles gut sei, ich doch einfach nur informiert, nicht alleine stehen gelassen werden will...

„I am sorry, Sir, let me check. Wait. I check, I am sorry, Sir”.

Wie ein Roboter wiederholte er in seiner hohen, aber irgendwie bestimmten Stimmlage seine englischen Phrasen und ich schien überhaupt nicht heranzukommen an irgendeine Art Zwischenmenschlichkeit.

Langsam war ich verzweifelt, ich dachte an die Frau aus Addis Abeba. Ob sie wohl bereits im Flieger sitzt? Dem Afrikanischen Kontinent entgegen?

Jedenfalls verschwand mein Freund wieder in seiner Box, ohne mir Auskunft zu erteilen, warum denn dies nun so lange dauert und worin das Problem bestand.

Eine weitere Viertelstunde verging und nun verspürte ich auch noch den dringenden, zu gehenden Gang auf die Toilette. Ich rief in die Box hinein, er rollte mitsamt seinem Sessel einen halben Meter nach hinten, lehnte sich rückwärts, sodass nur sein Kopf hinter der Trennwand hervorlugte. Sein unbeholfenes, fragendes Gesicht – mein dringendes Begehr!

„No problem, no problem, let me go, I check, no problem”.

“Where do you want to go? I want to go to the toilette!”

Ich dachte daran, ob es denn möglich sei, dass die Fluglinie extra ihn, meinen Freund hier, an diesen Schalter gesetzt hat, da man sichtlich von seiner Unfähigkeit überfallen, ihm so gar nicht dafür böse sein konnte! Und es ginge hier schließlich um sehr unangenehme Angelegenheiten, wo Passagiere sicherlich sehr sehr schnell die Geduld verlieren und grob werden.

„No problem, no problem, you go, let me go, I come back, I check, no problem”.

Mittlerweile musste ich so dringend aufs Klo, dass ich meinen letzten Geduldsscherben ergriff, fest zudrückte und aufs Klo rann, während ich im Augenwinkel sah, wie mein Freund die Tür zu seiner Box versperrte.

War es ein Schlüsselbund, ein riesiger Metallring mitsamt langhalsiger Schlüssel..?