My African Dream - My African Horror
Auf den Hügeln des Büffels - “I’m sorry, but this is my style”
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4/24/20263 min read
Wieder sah ich mich dazu gezwungen zu improvisieren.
Ich werde mir bei der nächstbesten Gelegenheit einfach zwei Tankkanister organisieren und diese aufgefüllt im Auto als Reserve belassen. So hab ich ja quasi einen zweiten Tank. Problem gelöst! Dachte ich mir und beließ das Problem vorerst beiseite.
Dass ich an keiner einzigen der doch unzähligen Tankstellen und in keinem einzigen Supermarkt diese verdammten Tankkanister bekam, war mir da schließlich noch nicht bewusst.
Dass Tankkanister, wenn sie undicht sind, eine hochexplosive Gefahr darstellen, war mir auch noch nicht bewusst!
Boas und ich fuhren also los. In Kenia gilt, weil ehemals britische Kolonie, der Linksverkehr.
Zum Glück bescherte mir dies kein Bauchweh mehr, da ich im Laufe der Jahre bereits in einigen Ländern, wo die für mich verkehrten Straßenbedingungen gelten, selbst gefahren bin.
Und das Gehirn kann den Schalter erstaunlich schnell umlegen, nur die Hände am Lenkrad hanteln sich noch des Öfteren den Irrweg zum Scheibenwischerhebel, wenn doch eigentlich geblinkt werden soll!
Vom Hügel des Büffels ging es bergab auf eine rotsandige, unasphaltierte Straße. Da es in der Regenzeit bisher noch nicht viel Niederschlag gegeben hatte, wie mir Boas berichtete, staubte es gewaltig auf, wenn sich schweres Gefährt über die Straße bewegte.
Und wie in Afrikas Peripherie üblich gab es hier mehr Menschen auf der Straße als Autos.
Ich versuchte also so gut es ging zu vermeiden, meine kenianischen Mitmenschen im Zuge meiner ersten Ausfahrt roten Staub einatmen und schmecken zu lassen, was nicht immer zu vermeiden war. Natürlich rasten alle anderen Autofahrer gleichermaßen an Mensch und Tier vorbei, während sie mich vorsichtig fahrenden Ausländer aus Uganda überholten.
Ja, Tiere waren, wie es sich für Afrika gehört, einfach überall, so auch auf den Straßen.
Nebst den verschiedenen Haustierrassen, angefangen vom Huhn, über Esel, Hund und Katze, bis hin zu Pferden, Schafen, Schweinen, Ziegen und natürlich Rinder, gab es auch solche Tiere auf der Straße, die sich vom Menschen nichts anschaffen lassen. Gut so!
Paviane, genauer genommen der Anubispavian - Papio anubis kommen hierbei gleich in den Sinn und runden das erste Straßenbild Nairobis ab, welches sich vor mir eröffnete.
Doch nur ein Tier machte mir die Fahrerei besonders schwer, das war der Mensch.
Und einer von diesen saß neben mir.
Boas.
Er grinste bis über beide Ohrwaschel und ich dachte mir bei diesem verdächtigen Gehabe ständig, über den Tisch gezogen worden zu sein.
Ob dieses Auto diese Reise überhaupt überstehen kann?
Wie ich es für mich in meinem Leben zurecht gelegt hatte, mit meinen Mitmenschen zu interagieren, so tat ich dies nun auch mit ihm. Ich begann ihm persönliche Fragen zu stellen, um auf menschlichen Ebenen Bänder zu knüpfen.
Wo käme er her, wie wäre die Familiensituation, gibt es eigene Kinder, ist das hier seine Arbeit. Und meist gibt es doch Themen, die man selbst auch kennt und schon ist man in ein Gespräch verwickelt.
Boas taute sichtlich auf und begann lebendig und leidenschaftlich über seine Frau und Kinder zu erzählen. Es warte sein Neugeborenes auf ihn Zuhause. Er erklärte mir, dass es gerade, wenn die Kinder so jung sind, besonders wichtig ist, mit ihnen eine Verbindung aufzubauen. Väter tun dies bei Babys, indem sie sie einfach auf ihre Brust legen. Für Stunden. Es gibt nichts Schöneres.
Auf dieser Ebene angekommen, machte ich mich nun an, meinen Versuch der Wahrheit zu riskieren und bat doch Boas mir ehrlich zu sagen, ob das mit dem Auto hier eh alles passt, denn ich fühle mich reingelegt und sein ewiges Grinsen machte mich doch auch stutzig.
Plötzlich war da wieder dieser Grinser!
„Oh, I’m sorry, no worries, everything is fine, this is just my style”.
Ein weiteres Mal nun die grinsende Katze von Alice im Wunderland mir gegenüber...
An der Tankstelle eine kurze Einweisung, der Tankwart begann zu tanken, Boas verabschiedete sich, stieg bei einem, mir schien es völlig wildfremden und nächstbesten Mann aufs Motorrad, grinste, und war dahin. Er verschwand in einer wuselnden und drängenden Menschenmasse, welche zu Fuß, per Rad, via Moped, mit dem Auto oder auf dem Motorrad sich ineinander verknetete! Und wie heißen diese drei Personen Taxis nochmals, die hier überall herumtuckern, den Verkehr lahmlegen und die Luft verpesten..? Innerhalb weniger Sekunden konnte ich Boas Grinsen nicht mehr sehen.
Nun waren wir zweisam vereint, mein Toyotababy und ich, vollgetankt, bereit! ...naja, einer von uns...
Vor der Rückfahrt machte ich mich noch an die Bluetoothverbindung zu meinem Mobiltelefon, um wenigstens gleich ein wenig musikalische Heimat bei mir zu haben, und stellte zu meiner Ohren Leidwesen fest, dass die Boxen ruiniert waren, gerissene Membranen, rauschendes Kratzen!
Aaahhh!!!
