My African Dream - My African Horror
Auf den Hügeln des Büffels - Ein Deal mit Haken
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4/22/20264 min read
Die Seitenspiegel waren als nächstes dran.
Nun klärten sich die Metallteile auf, die an ihnen montiert gewesen sind.
Denn die Elektronik zur Verstellung des Blickwinkels funktionierte nicht, die Spiegel konnten an den Metallteilen manuell per Hand verstellt werden!
Ahhh.
Und wie mache ich dies auf Beifahrers Seite?
„Oh, you are traveling alone?”
"Yes, I am traveling alone."
„Mhm, so sorry, but this should be no problem.”
Er verwies darauf, dass ich ja noch den Spiegel an meiner Seite hatte.
Bereits vorausschauend dachte ich darüber nach, wie ich dies denn anstellen könnte und mein Spektiv-Stativ kam mir in den Sinn, denn dieses, aus Carbon gefertigte, ausfahrbare Leichtmodell würde mir die nötige Reichweite bieten.
Nun gut, irgendwie werd ich auch das noch hinbekommen.
Dass die beiden Seitenspiegel bei anhaltenden, ruckelnden Straßenverhältnissen ständig ihre Position veränderten und ich überhaupt keinen Straßenüberblick mehr hatte, da ja auch der Rückspiegel zu nichts zu gebrauchen war, da er mir nur die abgedunkelte Heckscheibe abbildete, war mir bei stehendem Fahrzeug und im Laufe der ersten kleinen, mit Boas gemeinsamen Ausfahrt nicht bewusst geworden und brachte im Laufe dieser Reise so einige brenzlige und gefährliche Situationen mit sich.
Diese endeten zumeist in Pannen, Unfällen und anderen Katastrophen.
Aber dazu später mehr.
Ich setzte mich nun zum ersten Mal ins Auto und startete den Motor. Die Batterie oder die Zündkerzen, irgendwas schien gleich nicht ganz so stark zu sein, um den Motor geschmeidig anzulassen. Es dauerte immer ein Weilchen, bis die Zündung griff und funkte!
So Manchesmal ließ sich mein geräderter Reisebegleiter gar nicht starten und jede Zündung wurde zur Zitterpartie. Auch das war und ist auf Dauer sehr zehrend.
Die Scheinwerfer schienen zu funktionieren, auf ein defektes Rücklicht machte mich Boas bereits aufmerksam. „This should be no problem.“
Die Blinker sollten laut Boas aber alle einwandfrei sein. Tatsache war, dass der hintere rechte Blinker nicht funktionierte und der Doppelblinker hinten dementsprechend auch nicht, aber auch vorne gab es keine doppelten Signalzeichen.
Ups! Da wurde Boas dann doch etwas verlegen. Jonathan schmunzelte, nach wie vor auf seinem Stein hockerlnd.
Und ich schrieb in den Vertrag, die Blinker gingen nicht. Mehr konnte ich nicht tun, weil „oh sorry, but this should be no problem.“
Sonst musste ich ohnehin eigentlich alles als „funktional“ im Vertrag verzeichnen, weil funktional war der gute Toyota ja noch!
Ich dachte an die Bilder, die ich gerade vorhin machte und besann mich auf der sicheren Seite…fern waren mir die vielen Szenen, die ich an den unzähligen Straßensperren durch die lokale Polizei, in schierem Entsetzen erleben musste...
Dass die Doppelblinkerfunktion im ostafrikanischen Straßenverkehr eine solch immense Bedeutung hat, konnte mir da eigentlich noch gar nicht bewusst sein!
Sie ging mir jedenfalls ziemlich ab, soviel sei verraten.
Dass ich auch nicht in den Genuss eines funktionierendes Elektronik- und Musiksystems kam, welches in der Frontarmatur eingebaut war, lag daran, dass der Monitor regelrecht eingeschlagen worden ist und keine Anzeige mehr zuließ. Ein sporadisch, unter der Armatur eingebauter Player diente als Musikanlage, den mir Boas stolz päsentierte.
Nun kam es zur Bezahlung.
In Bar.
US-Dollar, Du erinnerst Dich?
Es war ein riesiges Bündel Geldscheine, weil die Bank in Wien sehr viele 20-Dollar Noten vorbereitet hatte, denn ich dachte, diese wären beliebt in einem Land, wo meistens kleine Dollarbeträge über den Ladentisch gehen.
Boas schaute mich extrem entgeistert an. Zum ersten Mal wich sein Dauergrinsen einer ernsten Miene. Denn es müsse gezählt und gerechnet werden.
Auch weil eine Diskussion über die Kosten dieser jetzigen drei Tage, die ich nicht bestellt hatte, entbrannte.
Und so landete ich am Telefon mit dem mir eigentlich bekannten Autovermieter, mit dem ich alles vorab online ausgemacht hatte.
Herman war sein Name.
Er war derjenige, der mir auf Anhieb ein Sonderangebot machte, weil ich das Auto so lange, über ein Monat, anmietete. Und dieser Preisnachlass sei in Ostafrika gängigste Praxis, wie ich mich vorher informierte und somit war ich sehr froh über Hermans Entgegenkommen, ohne dass ich dafür hätte noch handeln müssen.
Denn die Lebenseinstellung des Handelns ist mir als ruhigem, sensiblem Menschen nicht in die Wiege gelegt.
Herman klang immer freundlich und half mir ja auch meine Panik in Wien zu beruhigen, als ich keine Möglichkeit hatte, das Auto online oder nur irgendwie zu bezahlen. Die Kaution wurde mir auf 500 USD, für mich dann schlussendlich erschwinglich, heruntergedrückt, wie es hieß.
So hielt ich immer viel von der gleich zwischenmenschlichen, helfenden Art von Herman. Und auch am Telefon klang er freundlich, ruhig, jung. Er ging auf meine Forderung ein, mir die drei Tage zu erstatten, da ich das Auto ja auch bereits stark bemängeln konnte.
Boas begann die 20-Dollar Stapel zu zählen, die ich vorbereitet hatte, nachdem er mit seinem Smartphone die Rechnung anstellte, wieviel ich jetzt dann tatsächlich zu zahlen hatte.
3500 USD.
175 Geldscheine.
Das Zählen begann. Vorsichtiges Geschiebe, abgeleckte Fingerkuppen, Reibung.
Nachdem das Finanzielle erledigt war, und die Verträge unterzeichnet waren schlug mich Boas ein weiteres Mal mit seiner rhetorischen Redekunst, an diesem für mich doch so verschleierten Tage.
Und sein Grinsen schien mir nach der Abgabe meiner Unterschrift stärker und leuchtender denn je!
Er musste zur Busstation gebracht werden, und somit könnte ich doch auch gleich mit ihm eine Testfahrt machen.
Ich wollte keine Testfahrt machen, ich sah mich in der Lage dieses Auto zu fahren, auch ohne Boas.
Aber wie gesagt, bang bang bang und schon kann man mit einer gewaltigen Wortwucht doch zum Gegenteil gedrängt werden, denn auch Jonathan, der plötzlich aufgestanden war, meinte nur nickend dazu „good, good“.
Außerdem sei der Tank leer und er könne gleich noch mit mir zur Tankstelle fahren.
Nun gut, das war ein Argument, aber was eröffnete mir dies ein weiteres Horrorszenario dieser Reise!
Ich hatte nur EINEN Tank!
Da war tatsächlich kein zweiter in diesem alten Landcruiser Modell verbaut.
Eine Katastrophe,
waren doch fast alle meiner fernab Reiseziele auf zwei Tanks und den dadurch zur Verfügung stehenden, möglich zu fahrenden Kilometer und die damit erreichbaren Tankstoppoptionen ausgelegt!
