My African Dream - My African Horror
Auf den Hügeln des Büffels - Das Fensterschlussschauspiel
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4/20/20264 min read
Und da stand noch einer!
Boas war sein Name.
Grinsend erwartete er mich bereits am Gattertor. Einer seiner Schneidezähne war braun.
Boas war um die dreißig Jahre alt, hatte eine coole Baseball Cap, halbschräg die Stirn entlang gedreht, trug ein schwarzes Polo-Shirt, dazu dunkle Jeans. Er war athletisch, nicht zu klein und nicht zu groß, ein typischer Allrounder eben, sportlich hätten wir wohl ähnlich abgeschnitten. Rhetorisch war er mir leider kilometerweit voraus!
Denn meinen anfangs gebrachten Antrag, er möge doch bitte in drei Tagen wiederkommen, schmetterte er zügig ab, indem er mir klarstellte und weismachte, dass er gerade sechzehn Stunden mit dem Auto hier aus dem Nachbarland Uganda angereist kam und hier in Kenia keine Bleibe hätte, er somit auch gleich wieder nach der Übergabe öffentlich mit dem Bus nach Uganda zurückkehren werde.
Hier soll nun ein wenig Licht in eines der dunkelsten Kapitel dieser Geschichte gebracht werden.
Das Kapitel wurde ja bereits eingeläutet, als ich erzählte, dass ich das billigste Angebot vierer Autovermieter annahm und mir dabei noch dachte, ich hätte hier wirklich gut und viel Geld gespart und zumal der Flug in meinem Verständnis überhaupt nichts kostete, konnte ich den Reise- und Mobilitätskostenblock für einen Monat Reise doch relativ geringhalten. Für die Verhältnisse, wie sie in Kenia und Tansania so herrschen jedenfalls...
Nun, als ich „meinen ugandischen“ Toyota nun so vor mir dastehen sah, traf mich doch plötzlich ein Schlag und zwar in Form eines Dialogs mit meiner nach Afrika ausgewanderten Bekanntschaft.
„Spart niemals bei den Kosten für eine Autovermietung in Afrika! Da sind uns bereits viele, schlimme Dinge untergekommen!“
Warum hat mich dieser Schlag erst jetzt getroffen?! Verdammt.
Ich begann also den Wagen auf Geheiß von einem grinsenden Boas zu inspizieren…
„Warum grinst er die ganze Zeit so verdächtig“, dachte ich mir, während ich ein total verrostetes, in die Jahre gekommenes, auseinanderfallendes Safariauto begutachtete.
“Okay, I need to take pictures, there are so many problems with this car”, behielt ich mir vorerst den nächsten Schritt ein und holte aus meinem mich rufenden African Round House die Digitalkamera aus dem Gepäck.
Da war es wieder.
Das Bett.
Ich hatte keine Kraft mehr..?
Gezielten Schrittes ginge ich nun wieder zu der Autoübergabeszenerie.
Jonathan hockte, weiterhin mit schafsfrommen und mitleidigem Blick, auf einem Stein, wartete ab, beteiligte sich nicht am Geschehen.
Boas, grinsend, schien mir, als hätte er sich die sechszehnstündige Anfahrt wohl auch mit dem ein oder anderen Hilfsmittel versüßt. Zu oft sah ich den braunen Schneidezahn aufblitzen, aus einer mehr oder weniger bekannten Mundverformung.
Ich begann nun ein Foto nach dem anderen zu machen, ja ich lichtete alles ab, so schien mir.
Außen und Innen, überall Schäden, überall defekte, fehlende Teile.
Die Karosserie wirkte instabil, Abschnitte der Front, der seitlichen Einstiegshilfen und des Hecks waren gebrochen und bereits zusätzlich angeschraubt worden. Lackabsplitterungen und kurvige Kratzer zierten das gesamte Auto. Strukturteile fehlten oder befanden sich in jämmerlichem Zustand.
Die Scheinwerfergläser waren trüb, die Seitenspiegel mit irgendwelchen Metallteilen fixiert. Ebenso der kleine Zusatzspiegel, der an der linken Seite, vorne an der Motorhabe angebracht war. Dieser war bereits dreifach gebrochen, ein loses Spiegelteil schien dem Herabfallen noch zu widerstehen.
Die Radioantenne war nur mehr zu einem Drittel übrig.
Die Frontscheibe hatte jede Menge Steinschläge über sich ergehen lassen müssen, manche waren sporadisch ausgebessert, manche nicht.
Die Heckscheibe war so dunkel, dass ein Durchsehen eigentlich nicht möglich war.
Der dazugehörige Scheibenwischer hing traurig und trist gen Erdmittelpunkt, der Anziehungsschwerkraft entgegen! Wurde er bei laufendem Fahrzeug betätigt, so wischte er unterhalb der Heckscheibe die Karosserie sauber!
Apropos laufendes Fahrzeug.
Nachdem sich also außen bereits, Foto um Foto, meine Laune verdunkelte, kam nun der Innencheck, denn das Dachzelt der mir bekannten Marke schien, äußerlich jedenfalls, in Ordnung zu sein und auf Nachfrage, meinte Boas auch nur grinsend, dass mit dem Zelt, genauso wie mit dem Auto an sich, alles in Ordnung sei und er kein Problem damit hätte, mir den Aufbau nicht zu zeigen, wenn ich diesen bereits kannte.
Ich solle mich nur bitte nicht im Nachhinein beschweren, denn dies sei im bereits öfters von unzufriedenen Gästen entgegengekommen.
Ich vertraute...
Nun zum Innenleben des Fahrzeugs meines Begehrens, denn ich wusste, dies ist es nun, eine abenteuerliche Liaison, und ich musste hinnehmen, was dastand.
Ein besseres Fahrzeug anfordern? Am Wochenende? Aus Uganda?
Unmöglich!
Die Sitze waren aus Stoff, der unzählige Löcher, Risse und Zerfransungen aufwies, teils geflickt und teils genäht, in einem beigen, grausandigen Farbton gehalten.
Die eingebauten Armaturen kamen im Leopardenlook daher! Das gefiel mir!
Jedoch fielen sie bei jeglicher Betätigung, aus ihren Verankerungen mir entgegen!!!
Als ich versuchte die Seitenfenster mittels Seitenarmatur mitsamt deren Reglern hinunter und wieder hinauf zu befördern, wurde schnell klar, dass das Fensters des Beifahrers kaum mehr in der Lage war durch elektronische Impulse nur irgendwohin befördert zu werden und man manuell, mit Armes- und Handeskraft, nachhelfen musste, damit sich das Fenster ganz öffnete beziehungsweise wieder ganz schloss, bevor der nervige Sicherheitsautomatismus der Elektronik griff, der das Fenster wieder nach unten fahren ließ, wenn es sich eben aus unerfindlichen Gründen, wie eine eingeklemmten Hand, nicht ganz schloss.
Und während man mit Fingerspitzengefühl versuchte dieses Seitenfenster mit dem Regler zu schließen, rauf und runter, rauf und runter, eben auch den Regler zu sich zu ziehen, riss die ganze Armatur aus der Lehne der Seitentür heraus!
Schnell klopfte ich sich wieder in ihre dazugehörige Einfassung!
Und um diesem ganzen Fensterschlussschauspiel noch eine musikalische Note zu verleihen, kam hinzu, dass das defekte Seitenfenster bei jedem Versuch, mit letzter elektronischer Kraft die Fenstereinfassung zu erreichen, ein ohrenbetäubendes, grässliches Quitschen von sich gab, so dass Boas nur beiläufig und weiterhin verschmitzt grinsend dazu statuierte:
„Good morning!!“
Aha, sehr witzig...
