My African Dream - My African Horror
Inland Empire
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3/31/20262 min read
Als ich zuhause ankam, wartete ein Paket vor meiner Tür.
Meine Verplantheit und Unorganisation, mein Flaschenhals führten nämlich dazu, dass ich die vorangegangene Nacht in großer Hudelei mit meinem Arbeitstablet all brauchbare Bestimmungsliteratur abfotografierte, die ich von Flora und Fauna Ostafrikas hatte.
Die neuen und viel brauchbareren, aber zu spät bestellten Bücher kamen am Tag der Abreise an.
Wissend, dass ich den Paketlieferant zu Hause nicht vor meinem 5000 Dollar Abenteuer in der Innenstadt antreffen werde, kam es eben zu unzähligen verwackelten und unscharfen Bildern vergilbter Seiten voller Naturillustrationen der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrtausends.
Bekanntlich verlängerte sich ja nun mein Flaschenhals.
Es hatte demnach auch etwas Gutes, dieses Vereisungsereignis.
Denn die beiden Bücher The Birds of East Africa und East African Reptiles waren Volltreffer.
Exakt genau das, was ich brauchte!
Wenn ich unterwegs bin, um meine Nachbarn kennen zu lernen, dann braucht es gute Bestimmungsliteratur.
Verbreitungskarten, Häufigkeitsangaben, gute Bilder oder besser noch Illustrationen und Informationen über die Ökologie – wie, wo, was, wann quasi!
Und alles muss extrem kompakt daherkommen, leicht und übersichtlich sein.
Man stelle sich jedoch vor, wie ein einzelnes Buch an Kompaktheit verliert, wenn es um hunderte, gar tausende Nachbarn geht, die ALLE vorgestellt gehören.
Damals zu Zeiten meines Opas schien man sich mehr auf das Geschriebene zu konzentrieren. Abbildungen fand man meist in kompakten, ans Ende des Buches gestellten Farbtafeln, oder gar in Extrabänden. Dieses dadurch zustandekommende Hin- und Herblättern nimmt in meinem Fall viel an Elan und die zu stillende Neugier wird ungeduldig, flacht ab, das ist nicht gut.
Jetzt war ich doppelt abgesichert, auch ein großer Teil meiner kommenden Abendbeschäftigungen war gerettet! Liebte ich es doch von Herzen, abends mitsamt Bilder und Bücher der neuen Nachbarn Namen zu erkunden.
Dass nur eines der beiden Bücher einen Stammplatz an meiner afrikanischen Seite erhielt, war mir schmerzliche Erkenntnis und kam sehr unerwartet, dazu später wohl mehr.
Die Macht der Wiener Gewohnheit, doch eine gleichzeitig unbeschreiblich schöne Freiheit hatte mich plötzlich fest im Griff!
Denn meine Person, mein Name, meine Nummer waren auf dem Weg nach Afrika!
Ich war also ein Geist in meiner eigenen Stadt...
