My African Dream - My African Horror

Lost Highway

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3/28/20262 min read

Als ich wiederkam, fehlte von ihm jede Spur. Doch irgendwie verspürte ich, mich auf sein Wort verlassen zu können. Die Chance nutzte ich, um, mich weit über den Tresen lehnend, einen tieferen Blick in die Box zu werfen. Es sah aus als sei der gesamte Inhalt des mobilen Büros in seiner Zeit stehen geblieben und seine Zeit war lange her, soviel brachte mir die Weisheit eines Digital Natives!

Dementsprechend gab es ein beinah antikes Telefon mit abnehmbarem Hörer, dazu die gekringelte Verbindungsschnur!

Dementsprechend gab es einen Röhren-PC, gefühlte 9 Zoll, schwarz-weiß-neongrüne Schrift zierte seinen verstaubten Monitor!

Dementsprechend gab es ein Faxgerät...

Was nicht so ganz zu meiner Theorie des Zeitstillstandes passte, war das übrige interiore Design. Denn dieses wirkte wie aus einem Ikea-Katalog entsprungen.

Die klassische Uhr an er Wand, die halbhohe Zimmerpflanze mitsamt Stehlampe in der Ecke, der eingebuchtete, weiße Schreibtisch, der allzweckdienliche metallene Aktenschrank.

Doch ein Office ist ein Office ist ein Office!

Egal im Hier oder im Jetzt, im Dort oder im Dann!

Dann kam er schnellen Schrittes aus der Richtung der Check-In Schalter der ägyptischen Fluglinie. Dort, wo der Anfang dieses Flughafenfilmes seinen Lauf nahm.

Er machte keine mir deutbare Miene, sein bereits etwas furchiges Gesicht war mir von Anfang an eher starr vorgekommen.

„And? Is everything alright now? Can I take the flight in two days?”, fragte ich als er nah genug war, dies zu vernehmen. Jedoch blicke er mich nur kurz und verdutzt an, ging an mir vorüber, einmal um die Bürobox herum, Schlüsselklirren, die Tür ging auf, denn diese sah ich ja von meinem Platz am Tresen aus, er trat ein und sah mich an.

„I check, no problem.“ Mit diesen Worten verschwand er hinter der Trennwand!!

Meine Hand, welche den Geduldsscherben drückte, blutete aus…

Doch er kam unverzüglich wieder und ich schöpfte neue Kraft für das große Finale.

In seinen Händen, ein weißer A4 Zettel, der mir nur allzu bekannt vorkam und ein gelber Marker!

Und er packte den Zettel auf den Tresen und begann erneut, als wären die letzten Stunden niemals passiert, mit hoher, aber gebrochener und leiser Stimme, doch resolut und selbstsicher, in stotterndem Englisch mir zu erklären, während er mit seinem gelben Marker gezielt eine Linie unter den vielen hervorhob.

„Sir, you see, this is your flight, you see. No problem. No problem.“

Und diese gelbunterlegte Zeile war das ersehnte Ziel!

Das richtige Datum in zwei Tagen, die korrekten Daten, stimmende Zeiten, Länder- sowie Flughafencodes!

Endlich! Unendlich!!

Er gab mir den Zettel und ich staunte nicht schlecht. Das wars jetzt?

Und mit diesem Zettel ist auch alles sicher und geregelt, wenn ich in zwei Tagen wieder hier bin? Schließlich war der A4-Wisch kein Ticket, kein Boarding Pass.

Somit fragte ich nochmals nach, ich wollte mich vergewissern, absichern.

„No problem, no problem. You take this and two days, you come. I will be there. No problem.”

Mittlerweile hatte ich ihn ja schon richtig ins Herz geschlossen,

versuchte mich amikal, doch erntete dafür nur verwirrte Distanz.

Egal, dachte ich und vertraute ein weiteres Mal auf die Skurrilität des Seins!